ALLGEMEINES

Es ist ein großer Unterschied, ob man ein Organ oder Stammzellen/Knochenmark transplantiert.

 

ORGANTRANSPLANTATION:

Bei einer Organtransplantation "sucht das Organ den Empfänger". Die Allokationskriterien für ein Organ sind die Blutgruppe, Dauer der Wartezeit, bei Herz und Leber die Dringlichkeit und bei Niere, Herz und Lunge die UNAG (unacceptable antigens, HLA-Antigene des Spenders/Organs, die ein Empfänger nicht bekommen darf). Diese UNAGs ergeben sich aus Vorimmunisierungen durch Schwangerschaften (die Frau entwickelt Antikörper gegen Kindesantigene), Vortransplantationen und Transfusionen. Bei den UNAGs handelt es sich meist um HLA-Antigene, gegen die der Empfänger bereits Antikörper entwickelt hat. Bei einer solchen Transplantation gegen vorgeformte HLA-Antikörper besteht die Gefahr einer hyperakuten Organabstoßung, die bereits im OP beginnt.

Auf eine Übereinstimmung der Antigene wird nur dann geachtet, wenn es auf der Warteliste einen Empfänger gibt, der HLA-ident in den A, B und DR-Antigenen des Spenders ist. Ansonsten kommt es immer wieder vor, dass gar keine Übereinstimmung vorliegt. Aus diesem Grund ist der Empfänger auf eine lebenslange Immunsuppression angewiesen.

Es gibt also einen Organspender für dessen Organe die passenden Empfänger gesucht werden.

Nur im Falle einer Lebendspende, wenn mehrere Spender vorhanden sind, kann auch auf die HLA-Kompatibilität geachtet werden. Aber natürlich ist das meist nicht der Fall. Nur die Niere und Leber kann als Lebendspende transplantiert werden - ansonsten stammen die Organe immer von verstorbenen Organspendern - mit dem für mich etwas unschönem Namen: Cadaverspender.

Von den Ländern, die in Eurotransplant eingebunden sind, sind nur zwei - Deutschland und die Niederlande - mit einer opt-in Regelung bei der Organspende. Das bedeutet, dass man in diesen zwei Ländern sich aktiv als Organspender anmelden muss - zum Beispiel im Rahmen der Führerscheinausstellung. Fehlt dieser Eintrag, muss man sich auf die Aussagen der Angehörigen verlassen. In den anderen Ländern, wie auch in Österreich, ist jeder Bürger, der keinen aktiven Eintrag in das sogenannte "Widerspruchsregister" macht, ein Organspender.

 

Ich finde diese Regelung gut. Sie gibt den Patienten auf der Warteliste es eine bessere Chance auf ein Organ. Durch die verpflichtende Hirntod-Diagnostik braucht niemand Angst zu haben, dass er "zu früh" zu Organspender erklärt wird und ihm dadurch nicht die nötige medizinische Betreuung zukommt, wodurch man vielleicht doch noch geheilt hätte werden können. Abgesehen davon - Familie hat immer das letzte Wort. Es werden niemandem Organe entnommen, wenn die Familie es auf keinen Fall wünscht.

 

Ganz anders ist es bei einer Stammzelltransplantation eines Fremdspenders, die immer freiwillig von einer lebenden auf eine andere lebende Person statt findet. Der Spender und der Empfänger kennen einander nicht und das bleibt auch so. Die teilnehmenden Personen können unter bestimmten Bedingungen fünf Jahre nach einer gelungenen Transplantation über das Stammzellregister miteinander in Kontakt treten, aber nicht direkt. Die Identität der beiden bleibt zunächst anonym. Erst, wenn beide den Kontakt ausdrücklich wollen, stellt das Stammzellregister den Kontakt her.

 

STAMMZELLTRANSPLANTATION:

wird vor allem als Therapie von malignen Erkrankungen des blutbildenen Systems eingesetzt. Aber auch Patienten mit Hämoglopathien wie Thalassämie oder Sichelzellanämie können oft durch eine Fremd- oder Verwandtenspende (Geschwister), ganz geheilt werden.

Da eine bestmögliche Übereinstimmung in den HLA-Genen hier von großer Wichtigkeit ist, wird völlig anders vorgegangen. Hier sind die potenziellen Spender für Knochenmark oder Stammzellen in einem Register gespeichert. Wird nun ein Patient für die Fremdspendersuche angemeldet, wird das Register nach einem passendem Spender durchsucht. Findet man keinen Spender in eigenem Land, wird die suche zuerst auf ganz Europa ausgeweitet und dann auch auf die ganze Welt. Ein solches Register, egal wo es sich befindet, muss genaue gesetzliche Vorgaben erfüllen und muss eine Zulassung haben. Und es ist tatsächlich so, dass auch in Ländern mit einer allgemein schlechteren Gesundheitsversorgung und teilweise veralteten Behandlungsmöglichkeiten, wenn das Land ein KM/STZ-Register anlegt, müssen diese Produkte den internationalen Standards entsprechen.

Für die Knochenmark- oder Stammzellspende ist das Österreichische Stammzellregister zuständig.

 

Für die Organtransplantation im Europäischen Raum ist die Organisation Eurotransplant zuständig.

 

ÖSTERREICHISCHES STAMMZELLREGISTER

Derzeit unterliegt es dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Potentielle Spender aus ganz Österreich sind dort in einer Datenbank gespeichert. Bei jedem dieser Spender werden zunächst die Merkmale HLA-A, -B und -DR getestet. Die Anmeldung zur Fremdspendersuche kann nur durch ein speziell dazu zugelassenes Krankenhaus/Transplantationszentrum gemacht werden. Es werden am Anfang nur die bereits vorhandenen Merkmale verglichen. Gibt es einen Treffer, wird der Spender kontaktiert und gefragt, ob er noch immer spenden wollen würde. Mittels eines Fragebogens wird weiter geprüft, ob er noch immer - gesundheitlich - in Frage kommt.

Wenn das der Fall ist, wird dem Spender ein Röhrchen zugeschickt, damit man nun alle Merkmale typisieren kann. Stimmt der Spender mit dem Empfänger in allen 10 untersuchten Loci überein (A, B, C, DR, DQ) gilt er als ident. Ein solcher Spender könnte dann tatsächlich in Frage kommen. 

Manche Patienten haben Glück und es gibt für sie 2 oder 3 idente Spender. Dann schaut man auf andere Kriterien, wie Geschlecht, Alter, CMV-Status.

Andere Patienten wiederum haben weniger Glück - es findet sich kein identer Spender. In solchen Fällen werden auch HLA-unterschiedliche Spender genommen: 9/10 oder 8/10 Übereinstimmung.

 

Die Aufgabe des HLA-Labors besteht in der Typisierung des Spenders - der Empfänger muss bereits vor der Anmeldung zur Fremdspendersuche typisiert sein, und zwar hochaufgelöst (4 digit). Ist der Spender nun ident und wurde akzeptiert, bekommen wir noch einmal Blutproben von ihm. Es wird die Blutgruppe bestimmt, Infektserologie gemacht, und eine letzte Kreuzprobe = Verträglichkeitsprobe zwischen den Spenderleukozyten und Empfängerserum durchgeführt. Ausserdem führen wir ein sogenanntes Re-Type durch: zum Ausschluss einer Röhrchenverwechslung wird der Spender in A, B und DR-Lokus niedrigaufgelöst typisiert

 

EUROTRANSPLANT

Österreich gehört zu einer europäischen, internationalen Organisation, die die Zuordnung der Organe innerhalb der Mitgliedsländer regelt. Es ist die EUROTRANSPLANT und es gehören folgende Länder dazu: 

  • Österreich
  • Belgien
  • Kroatien
  • Deutschland
  • Ungarn
  • Luxemburg
  • Niederlande
  • Slovenien

Das deckt eine Population von 137 Millionen Menschen ab. Ca. 14000 Patienten befinden sich derzeit auf einer Organwarteliste. Es gelingt jährlich ca. 7000 Organe zu transplantieren.

Welche Organe können überhaupt transplantiert werden? Mittlerweile beinahe alle - allerdings mit unterschiedlichem Erfolg.

Zu den wichtigsten gehören sicher die Niere, Leber, Herz, Lunge, Pankreas und Darm. Die Transplantation der Kornea wird national geregelt und unterliegt nicht der Zuständigkeit von Eurotransplant. Das generelle Thema der Organvergabe und Transplantation sprengt den Umfang dieser Seite, weshalb ich auf die Webseite von Eurotransplant in Europa oder UNOS in den USA verweisen möchte.

 

Auf den Seiten über Organtransplantation und SZT werde ich mich auf das Vorgehen in unserem Zentrum beschränken.

 

Folgende Organisationen in Europa gibt es ausser Eurotransplant, die sich mit der nationalen und internationalen Verteilung (Allokation) der Organe beschäftigen. Nachdem wir in Eurotransplant eingebunden sind, ist es für uns die wichtigste.