IMMUNGENETIK

Ich werde hier nicht genauer auf das Immunsystem und die Immunabwehr eingehen, sondern mich hauptsächlich auf die Bereiche beschränken, die für Transfusionsmedizin und Transplantationen eine Bedeutung haben.

Grob gefasst beschäftigt sich Immungenetik mit der molekulargenetischer Differenzierung aller Gene, die eine immunologische Bedeutung innerhalb des Transplantations- und Transfusionsprozesses haben und ein Antigen codieren können. Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf den HL-Antigenen (humane Leukozytenantigene), die bei Transplantationen eine zentrale Rolle spielen. Die wichtigsten HL-Antigene sind Klasse I (A, B und C) und Klasse II (DP, DQ und DR)-Antigene. Es sind bei weitem nicht alle, aber derzeit wird die Übereinstimmung zwischen Spender und Empfänger auf diese zwei Klassen beschränkt. Ist das Spenderorgan und der Empfänger immunologisch gleich oder sehr ähnlich, wird das Transplantat besser angenommen und der Empfänger braucht weniger immunsuppressive Therapie.

 

Auch Blutgruppenantigene können mit molekularbiologischen Methoden bestimmt werden. Es gehört zwar nicht zur Immungenetik, aber wird aus praktischen Gründen in unserer Abteilung durchgeführt.

Das kann zum Beispiel bei vortransfundierten Patienten nötig sein. Angenommen, der Patient hat die BG A und wurde mit BG O transfundiert. Mit einfachen serologischen Methoden (Antiserum gegen Antigen) findet man zwei Populationen der Erythrozyten. Ist die Blutgruppe des Patienten unbekannt, kann nicht unterschieden werden welche Erythrozytenpopulation vom Patienten und welche von dem früher transfundierten Erythrozytenkonzentrat stammen. 

Ok, das ist natürlich ein "no brainer" - ein Patient mit BG O wird sicher nicht mit BG A transfundiert worden sein. Da ist die BG des Patienten sicher A und die transfundierten Zellen sind BG O. Aber genau hier kommt die Tatsache zum Tragen, dass es mehr Blutgruppen als nur das ABO System gibt. Bereits der Rhesus-Faktor des Patienten ist bei einem Mischfeld nicht feststellbar. Also schickt man die Blutprobe zur molekular-genetischen Untersuchung. 

Auf dem Bild sieht man ganz unten ein Häufchen mit Zellen, aber auch oben auf dem Reagenzgel. Wenn wir annehmen, das Gel testet das RhD-Antigen, dann wissen wir jetzt genauso viel wie vor dem Test. Ein Teil der Zellen (unten) sind RgD negativ und ein Teil der Zellen sind RhD-positiv. Diese sind stark agglutiniert und können in des Gel beim Zentrifugieren gar nicht eintreten.

 

Alle molekularbiologischen Methoden basieren auf der DNA-Isolierung aus den Leukozyten. Diese kann manuell oder automatisch erfolgen. Dafür müssen zunächst aus dem Blut die Leukozyten - weisse Blutzellen - isoliert werden. Bei sehr niedrigen Leukozytenzahlen und bei Kleinkindern kann die DNA auch aus einem Mundschleimhautabstrich isoliert werden. Aber in der Regel ist unser Untersuchungsmaterial Blut. Nachdem wir aber an den Leukozyten und nicht Erythrozyten interessiert sind, wird die Immungenetik auch die "weisse Serologie" genannt - als Gegenspieler zur Immunhämatologie - der "roten Serologie".

Diese zwei Bereiche ergänzen sich in ihren Einsatzmöglichkeiten und bieten die Möglichkeit, Befunde auf dem letzten Stand der Wissenschaft anzubieten.

TRANSPLANTATION

Österreich gehört zu einer europäischen, internationalen Organisation, die die Zuordnung der Organe innerhalb der Mitgliedsländer regelt. Es ist die EUROTRANSPLANT und es gehören folgende Länder dazu: 

  • Österreich
  • Belgien
  • Kroatien
  • Deutschland
  • Ungarn
  • Luxemburg
  • Niederlande
  • Slovenien

Das deckt eine Population von 137 Millionen Menschen ab. Ca. 14.000 Patienten befinden sich derzeit auf einer Organwarteliste. Es gelingt jährlich ca. 7.000 Organe zu transplantieren.

Welche Organe können überhaupt transplantiert werden? Mittlerweile beinahe alle - allerdings mit unterschiedlichem Erfolg.

Zu den wichtigsten gehören sicher die Niere, Leber, Herz, Lunge, Pankreas und Darm. Die Transplantation der Kornea wird national geregelt und unterliegt nicht der Zuständigkeit von Eurotransplant. Das generelle Thema der Transplantation sprengt den Umfang dieser Seite, weshalb ich auf die Webseite von Eurotransplant in Europa oder Unos in den USA verweisen möchte.

IMMUNGENETIK IN DER TRANSFUSIONSMEDIZIN/TRANSPLANTATIONSMEDIZIN

Die Grundaufgaben der Immungenetik, bzw. der Gewebetypisierung, sind die HLA Typisierung vor allem der Spender und der Empfänger, HLA-Antikörpersuche  und Antikörperspezifizierung bei Empfängern und die Verträglichkeitsprobe vor Transplantationen.

Historisch gewachsen ist auch die molekularbiologische Bestimmung von Blutgruppenantigenen im HLA Labor, auch wenn es nicht zur Immungenetik dazu gehört.

 

Die genauere Beschreibung der Methoden ist auf der Seite DEFINITIONEN zusammengefasst.

 

 

Zuletzt bearbeitet am 26.03.2024